Familie bringt Gewinn
Kosten-Nutzen-Analyse belegt positive betriebswirtschaftliche Effekte von
familienfreundlichen Maßnahmen
Familienfreundliche Maßnahmen rechnen sich für Unternehmen. Die
Einsparpotenziale bewegen sich selbst für mittelständische Unternehmen in
einer Größenordnung von mehreren 100.000 Euro. In der
Kosten-Nutzen-Relation übersteigt der betriebswirtschaftliche Nutzen
- auch kurzfristig betrachtet - die Investitionen. Zu diesen
Ergebnissen kommt die Studie "Betriebswirtschaftliche Effekte
familienfreundlicher Maßnahmen" der Prognos AG, die das
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in
Auftrag gegeben hat.
Die Studie stellten heute in Berlin Bundesministerin Renate Schmidt, der
Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg
Braun, und der Vorsitzende des Beirats der Prognos AG, Dr. Hans Barth, vor. Sie
steht im Kontext der von der Bundesregierung angestoßenen "Allianz
für die Familie", die von wichtigen Promotoren aus Wirtschaft,
Gewerkschaften und Wissenschaften unterstützt wird.
Auf der Grundlage von Controllingdaten von zehn beispielhaften Betrieben
wurden die Wirkungen von familienfreundlichen Maßnahmen untersucht. Die
Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen erfolgte im Rahmen einer
realitätsnahen, aus den Daten der analysierten Unternehmen abgeleiteten
Modellrechnung für eine fiktive "Familien GmbH" mit
1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einer dem Bundesdurchschnitt
entsprechenden Belegschaftsstruktur. Dabei ergibt sich bei einem Aufwand für
familienfreundliche Maßnahmen in Höhe von etwa 300.000 Euro eine
Kosteneinsparung von 375.000 Euro. Das heißt: ein monetärer Vorteil von 75.000
Euro.
Die Studie berücksichtigt Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf
in einem engen Sinne; betrachtet werden ausschließlich Maßnahmen für
Eltern mit kleinen Kindern. Dazu gehören:
- Beratungsangebote für Eltern, Kontakthalte- und Wiedereinstiegsprogramme
für Beschäftigte in Elternzeit;
- Teilzeitangebote, Arbeitszeitflexibilität und -souveränität für
Eltern;
- Telearbeit für Beschäftigte in Elternzeit;
- betriebliche bzw. betrieblich unterstützte Kinderbetreuung.
Mit solchen familien- und frauenfreundlichen Maßnahmen können über 50
Prozent der durch eine unzureichende Vereinbarkeit von Beruf und Familie
entstehenden Kosten - vor allem Überbrückungs-, Fluktuations- und
Wiedereingliederungskosten - von den Unternehmen vermieden werden. Denn die
Kosten für Familienfreundlichkeit sind deutlich geringer als die Kosten für
Neubesetzung, Wiedereingliederung, Elternzeitpausen sowie Fehlzeiten.
Die realisierten Einsparungen in den untersuchten Unternehmen bewegen sich
überwiegend in einer Größenordnung von mehreren 100.000 Euro. So
beträgt zum Beispiel das Einsparvolumen bei der B. Braun Melsungen AG durch ein
familienfreundliches Maßnahmenbündel derzeit ca. 350.000 Euro pro Jahr.
Von einer besseren Balance von Familie und Arbeitswelt profitieren zum einen
die Familien, denn sie werden bei der Koordination von Berufs- und Privatleben
entlastet. Zum zweiten profitiert der Staat, wenn er durch eine höhere
Erwerbsbeteiligung Steuern und Sozialabgaben einnimmt. Zum dritten bringt eine
familienorientierte Personalpolitik für Unternehmen Wettbewerbsvorteile und
Kosteneinsparungen.
Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Renate
Schmidt, hebt hervor: "Diese dreifache Gewinn-Situation zeigt: Familie ist
ein Gewinnerthema. Familienfreundliche Maßnahmen rechnen sich
betriebswirtschaftlich. Das belegt die Prognos-Studie. Unternehmen können zu
einer besseren Balance von Familie und Arbeitswelt ihren Beitrag leisten und
gleichzeitig ihre Wirtschaftlichkeit verbessern. Familienfreundlichkeit
ist ein ökonomischer Faktor. Neben diesen 'harten Daten' gibt es auch
viele indirekte Wirkungen von Familienfreundlichkeit in Unternehmen wie eine
erhöhte Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen. Derzeit kehren z.B.
im westdeutschen Bundesdurchschnitt mehr als 40 Prozent der Frauen, die
pausieren, drei Jahre nach der Geburt des Kindes nicht an ihren
Arbeitsplatz zurück. Die Rückkehrquoten nach der Elternzeit liegen jedoch in
Unternehmen mit einer familien- und frauenorientierten Personalpolitik deutlich
höher als im Bundesdurchschnitt."
Ludwig Georg Braun, Präsident des Deutschen Industrie- und
Handelskammertages (DIHK) betont: "In der Konkurrenz um hochqualifizierte
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fließt Familienfreundlichkeit zunehmend in
betriebswirtschaftliche Überlegungen der Unternehmer ein. Die Palette an
Möglichkeiten, Stresssituationen bei Mitarbeitern mit Familienaufgaben
abzubauen, ist bunt - von der flexiblen Arbeitszeitgestaltung bis zur
Unterstützung eines Wiedereinstiegs nach der Familienpause. Im
Unternehmensalltag kleiner und mittlerer Unternehmen sind dabei oft kreative
Einzellösungen gefragt: Falls die reguläre Kinderbetreuung plötzlich
ausfällt oder der Unterricht in der Schule früher endet, ist eine schnelle und
unbürokratische Unterstützung bei der Suche nach einer qualifizierten
Tagesmutter oder das flexible Umorganisieren von Arbeitsabläufen wichtig. Dabei
müssen alle an einem Strang ziehen - sowohl die Unternehmensführung als auch
die gesamte Belegschaft."
Die Studie zeigt, dass die Einsparpotenziale von Betrieben auch bei der
derzeit angespannten Wirtschaftslage zu realisieren sind, denn die
betriebswirtschaftlichen Kosten zum gegenwärtigen Zeitpunkt wurden
berücksichtigt. Bei der zu erwartenden mittelfristigen Entwicklung des
Arbeitsmarktes wird der Nutzen von Familienfreundlichkeit dauerhaft steigen. Der
wirtschaftliche Strukturwandel führt, trotz hoher Arbeitslosigkeit, in vielen
Bereichen zu einer Arbeitskräfteknappheit. Bis 2010 wird der Anteil der höher
qualifizierten Tätigkeiten bereits über 40 Prozent sämtlicher
Berufstätigkeiten ausmachen. Das qualifizierte Arbeitskräfteangebot muss daher
besser genutzt werden, dazu zählt auch eine höhere und kontinuierliche
Erwerbsbeteiligung der Frauen. Gerade mittelständische Unternehmen haben trotz
der allgemeinen Arbeitsmarktlage Probleme, Personal mit spezifischen
Qualifikationen zu finden. Für sie ist wichtig, leistungsstarke Fachkräfte zu
binden, betriebsspezifisches Know-How zu erhalten und den Aufwand für neue
Personalrekrutierung zu vermeiden.
Beteiligte Unternehmen
An der Kosten-Nutzen-Analyse haben sich zehn Unternehmen beteiligt:
- B. Braun Melsungen AG, Melsungen (Medizintechnik)
- Condat Informationssysteme AG, Berlin (Softwareentwicklung)
- Fraport AG, Frankfurt (Betreibergesellschaft Flughafen Frankfurt)
- GeneralColgne Re, Köln (Rückversicherungsgesellschaft)
- Gerhard Rösch GmbH, Tübingen (Bekleidung und technische Textilien)
- Ratiopharm GmbH, Ulm (Pharmaprodukte, Generika)
- SICK AG, Waldkirch (Breisgau) (Sensorsysteme)
- Sparkasse Saarbrücken (Regionaler Finanzdienstleister)
- VAUDE Sport GmbH & Co.KG, Tettnang (Outdoor-Sportartikel)
- Wintershall AG, Kassel (Erdöl- und Erdgasgewinnung)
In diesen Betrieben sind zwischen rund 150 und 13.000 Beschäftigte tätig;
insgesamt wurden die entpersonalisierten Daten von über 22.800 Beschäftigten
in die Studie der Prognos AG einbezogen.
Bundesministerium für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend E-mail: poststelle@bmfsfj.de Internet: http://www.bmfsfj.de/
Quelle: Pressemitteilung Nr. 87 des BMFSFJ vom 2. September 2003
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